Praxis-Guide Blackout: Haus weiter betreiben mit Notstrom-System (Ersatzstrom-Umschaltung vorausgesetzt)
Sie haben bereits eine Notstrom-Umschaltung im Haus – sehr gut.
Damit sind Sie den meisten Leuten schon einen Schritt voraus.
Wir wollen uns die Frage stellen, welcher Energiequelle mit welcher Leistung es bedarf, um ein Haus im Blackout komfortabel weiter betreiben zu können.
Wir möchten Ihnen eine Vorstellung davon vermitteln, wie viel Energie die essentiellen Verbraucher benötigen und welche Batterie-Systeme für Sie notwendig sind.
Grunsätzlich ist zu sagen, dass ein mit Benzin oder Diesel betriebener Notstrom-Generator gerade im Winter in Deutschland unabdingbar ist!
Nutzbar als Energiequelle sind
- eben ein Benzin-Stromgenerator (besser allerdings nur als Hilfsgerät)
- eine Powerstation mit und ohne Solar-Anschluss
- ein bestehendes Balkonkraftwerk mit oder ohne Notstrom-Steckdose
- eine „große“ Photovoltaik-Anlage mit > 5 kWp und Batteriespeicher
Grundregel: ALLE unnötigen Verbraucher müssen raus!
- Durchlauferhitzer, Wallbox für E-Auto, Wärmepumpe → Immer ausschalten im Stromkasten! Egal in welchem System!
- Untertisch-Boiler → in der Küche und im Bad aus der Steckdose ziehen oder im Stromkasten ausstellen
- Alle Geräte, die erhitzen erst einmal im Stromkasten ausschalten oder Stecker ziehen (E-Herd, Backofen, Heizlüfter, etc.)
- Standby-Geräte (TV, Router, HiFi) aus der Steckdose raus!
Tipp: Sicherungen einzeln testen → herausfinden, was wirklich dran hängt.
Die Prioritäten
- Welche Geräte sind jetzt am Wichtigsten?
- Wieviel Leistung verbrauchen diese wichtigen Geräte?
- Wie lange kann ich die Geräte mit meinem System betreiben?
Wichtigste Verbraucher
Licht
- LED-Leuchtmittel verbrauchen nur 5-10 Watt
- In einer Wohnung mit vielen Leuchten kommen schnell 100 Watt zusammen
- Festbeleuchtung führt also zu 2,4 kWh pro Tag
Einsparung möglich durch:- Alte Glühbirnen austauschen durch LED-Birnen
- Tagsüber das Licht ausschalten
- Nachts nur das Nötigste an Licht betreiben
- Verbrauch dann ~ 0,5 kWh pro Tag
Kühlschrank/Kühltruhe – Ziel: Abtauen verhindern
- Verbrauch zwischen 50 W bis 250 Watt (kleiner Kühlschrank bis großer Gefrierschrank)
- Anlaufstrom (Faustregel: 3x Nennleistung des Kühlschranks) ~ 750 Watt kurz in der Spitze → jedes System schafft das
- Dauerhaft ist ein Kühlgerät pro Stunde ca. 20 min an / 40 min aus
- Gerät mit 150 Watt Leistung verbraucht also 1/3 * 150 Watt ~ 50 W in der Stunde
- Dauerbenutzung führt also zu 1,2 kWh pro Tag
- Einsparung möglich durch:
- Gelegentliches Ausschalten → Temperatur bei geschlossener Tür hält sich über Stunden
- Verbrauch dann ~ 1 kWh pro Tag
Öl- oder Gas-Heizung – Ziel: Grundwärme halten
- Heizungen sind ein kleiner aber konstanter Grundverbraucher
- Alte Heizungspumpen ziehen mehr Strom
- Verbrauch ~100 Watt durchschnittlich
- Dauerbenutzung führt also zu 2,4 kWh pro Tag
- Einsparung möglich durch:
- Erneuerung der Heizungsanlage
- Heizung nachts oder intervallweise ausstellen
- Dickere Kleidung, Decken
- Verbrauch dann: 1,2 kWh pro Tag
Brunnenpumpe im Garten – Ziel: Trink- und Brauchwassergewinnung
- kurz hohe Leistung, aber wenig Energiebedarf: ~ 1000 Watt
- Anlaufstrom (Faustregel: 3x Nennleistung) ~ 3000 Watt kurz in der Spitze → Benzin-Stromgenerator und manche Powerstations scheitern!
- Laufzeit: 10 Minuten (≈ 0,17 Stunden)
- Verbrauch: 1000 W × 0,17 h ~ 0,17 kWh
- Ertrag: ~100 bis 200l Wasser
- Benutzung führt zu 0,2 kWh pro Tag
- Einsparung möglich durch:
Wasserbevorratung (Trinkwasser-Kanister, IBC-Tanks)
Achtung!
- Als Trinkwasser nur nach einsprechender Filterung verwenden!
- Haltbarkeit des Wassers gewährleisten!
Hebeanlage – Ziel: Hygiene-Chaos verhindern
- Betrieb einer Drehstrom-Hebeanlage nur mit 400V möglich (Photovoltaik-Anlage)!
- kurz hohe Leistung, aber wenig Energiebedarf: ~1500-3000 Watt
- Anlaufstrom (Faustregel: 3-5x Nennleistung) ~ 5000 -10.000 Watt kurz in der Spitze → Benzin-Stromgenerator und Powerstations scheitern!
- Ein einzelner Hebevorgang dauert ca. 10-30 Sekunden für bis zu 50 Liter Pumpleistung
- Verbrauch: < 0,01 kW
Gesamtverbrauch
| Verbraucher | Verbrauch / Tag |
|---|---|
| Licht | 0,5 kWh |
| Kühlschrank | 1,0 kWh |
| Heizung | 1,2 kWh |
| Brunnenpumpe | 0,2 kWh |
| Summe | 2,9 kWh / Tag |
Praxiswert: ca. 3,5 kWh pro Tag
Die günstigste Not-Lösung (aber nervig)
Natürlich kann dieser Strombedarf durch ein Benzin oder Diesel betriebenes Stromaggregat gedeckt werden.
Aber niemand hat Lust einen solch lauten und stinkenden Apparat dauerhaft laufen zu lassen, denn:
- Lautstärke des Gerätes weckt das Interesse der Nachbarn
- Geräte sind nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt
- Auspuffgase sind lästig und vielleicht eine Gefahr für die Gesundheit (evtl. CO-Melder installieren)
Wenn Lautstärke und Geruchsbelästigung kein Problem darstellen, ist das aber sicherlich die günstigste Lösung:
- Zwei Stromaggregate besorgen!
- Beide Geräte abwechselnd betreiben
Die bessere Lösung: Die erzeugte Energie speichern
Ganz gleich, ob die Sonne der der Generator den Strom liefert. Am besten ist es, die Energie in einem Energiespeichersystem (ESS) zu speichern, auch bekannt als Akku oder Batterie.
Hier lässt sich die Energie geräuschlos und ohne Emissionen über den ganzen Tag hinweg komfortabel abrufen.
Bei 3,5 kWh Energiebedarf pro Tag und mindestens 10% Energie-Verlust bei der Entladung (völlig normal) raten wir zu einem Speicher von mindestens 4 kWh.

Lösung 1: Das Balkonkraftwerk im Notstrombetrieb
Ein Balkonkraftwerk produziert im Blackout-Fall eigentlich keinen Strom. Jedoch gibt es auch Balkonkraftwerke, die Notstrom über eine gesonderte Steckdose bereitstellen.
Diese Steckdose kann dann mit der Notstrom-Umschaltung des Hauses verbunden werden und das Haus speisen.
So hat man die Möglichkeit weiter über die Sonne seinen Strom zu produzieren. Allerdings ist das für den Winter bei wenig Licht nicht gerade optimal.
Es braucht also auf jeden Fall ein Balkonkraftwerk mit AC-Lademöglichkeit.
Das ist wichtig, damit man bei Bedarf mit dem Generator die Batterie nachladen kann.
Für Lösung 1 braucht es also:
- Balkonkraftwerk mit Speicher
- und Notstromsteckdose
- und unbedingt mit AC-Lademöglichkeit für den Speicher!
Eventuell kann ein bestehendes Balkonkraftwerk ein Upgrade erhalten. Fragen Sie bei Ihrem Händler nach!

Lösung 2: Die Powerstation
Die Powerstation ist meist sichtlich teurer als ein Balkonkraftwerk bei gleichem Speicher, hat dafür aber grundsätzlich die Möglichkeit über den Stromgenerator nachgeladen werden zu können.
Dafür hat es andere Vorteile, denn sie ist
- portabel und kann im Notfall mitgenommen werden
- mit ihrem Stromgenerator wieder aufladbar (AC-Lademöglichkeit)
- mit einem MPPT-Tracker ausgestattet und kann sich auch von Solarmodulen aufladen lassen
An einem bestehenden Balkonkraftwerk können die PV-Solarmodule ausgesteckt und an die Powerbank wieder angeschlossen werden.
Achtung!
Die PV-Module verfügen meist über gängige sogenannte MC4-Stecker, die nicht ohne weiteres auf die Power-Bank passen. Es braucht hier einen
- herstellerspezifischen Adapter auf MC4
Auch müssen die maximalen Spannungswerte der Powerstation eingehalten werden, damit diese keinen Schaden nimmt. Grundsätzlich gilt:
- Spannungswerte am Solar-Port in der Anleitung ermitteln und beachten!
- Ein einzelnes Photovoltaik-Modul an der Powerstation geht meistens immer
- Mehrere Module am besten paralell schalten mit einem Adapter
- Serielle Verschaltung der Module kann zu Beschädigung führen!
Lösung 1 und 2 helfen Ihnnen, Ihr Haus weiter betreiben zu können – allerdings immer unter der Maßgabe der Sparsamkeit und der Beachtung der maximalen Leistungsgrenze Ihres Systems: Betreiben Sie gerade die Hebeanlage und jemand schaltet die Gartenpumpe ein, geht ihr System in die Knie.
Sie müssen sich darüber im Klaren sein, was das System kann und wo seine Grenzen sind.
Nicht so bei Lösung 3.

Lösung 3: Die klassische Photovoltaik-Anlage mit Notstromumschaltung
In der Krise lässt sich mit Sicherheit immer Strom sparen, aber besser ist es doch, genügend davon zur Verfügung zu haben. Die Vorteile einer „großen“ PV-Anlage liegen klar auf der Hand.
- Größerer Speicher, meist 10 kWh und mehr mit besserem Preis-/Leistungsverhältnis
- Photovoltaik-Module in großer Anzahl sorgen im Sommer für Vollautarkie und im Winter für bedingte Stromzufuhr
- 3-phasige Verbraucher wie Hebeanlagen, ältere Garagentore, Kraftstromsteckdosen lassen sich damit ebenfalls betreiben
- Bei Sonneneinstrahlung ist auch das Betreiben von Herd, Backofen und sogar eine E-Auto-Ladung möglich
- Stromspitzen sind kein Problem bei 10 kW und mehr, die der Lastausgang liefern kann

Achtung!
Wenn im Winter bei Schnee kein Watt Strom mehr über die PV-Module ins Haus kommt, muss auch hier eine Lademöglichkeit für die Batterie bestehen.
Die von uns verbauten Wechselrichter verfügen über eine solche Möglichkeit.
Im Zweifel sollte man sich bei der Photovoltaik-Anlage immer für einen Wechselrichter mit
- Lastausgang
- und einer Niedervolt-Batterie (48V)
entscheiden. Eine Niedervolt-Batterie lässt sich nämlich ebenfalls mit einem externen Batterieladegerät an einem Stromgenerator wieder aufladen. Für Hochvolt-Batterien hingegen gibt es solche Gerät nicht ohne Weiteres.
Fazit
Um ein Haus im Blackout-Fall weiterbetreiben zu können ist also eine Notstrom-Umschaltung notwendig und eine adäquate Energiequelle.
Egal, ob man nun die vollumfängliche Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach nutzt oder eine Powerbank, man muss wissen:
- Welche Leistung kann mein System erbringen? Wie viele Verbraucher kann ich gleichzeit anschalten?
- Wie viel Energie habe ich zur Verfügung? Wie lange hält meine Batterie durch?
Diese Erfahrungswerte kann man nur sammeln, indem man sein System im Notstrombetrieb mehrmals ausprobiert.

